Bouldertipps für Anfänger

Neu auf dieser Seite und frisch infiziert vom Bouldervirus (oder einfach erstmal neugierig)? Herzlich willkommen! Um es gleich am Anfang ganz deutlich gesagt zu haben: Bouldern ist nicht Klettern! „Aber bei beiden Sportarten klettert man doch an der Wand“, magst du jetzt erwidern. Da geben wir dir gerne recht, denn von außen betrachtet sehen beide Sportarten sehr ähnlich aus – zumindest solange bis man das Bouldern selbst ausprobiert. Der Unterschied zum Klettern ist die Höhe. Man bouldert nur so hoch, dass man sicher von der Wand abspringen oder fallen kann ohne sich zu verletzen. Deshalb benötigt man auch Seil, Sicherungsgurt und Knotentechnik, die essentiell für Kletterfreunde sind, beim Bouldern nicht: Stattdessen legst du sofort los.

Check: Boulderausrüstung – Basics für den Anfang

  • Bequeme Sportkleidung aus Baumwolle
  • Boulderschuhe (kannst du anfangs in der Halle leihen – dauerhaft brauchst du unbedingt eigene)
  • Pulverchalk mit Chalkbag oder Flüssigchalk

Tipp 1: Das Ziel erreichen – ab zum Toppgriff

Worum gehts überhaupt beim Bouldern? Für Anfänger lautet das Ziel, gleich beim ersten Mal eine Boulderroute vom Startgriff oder den beiden Startgriffen bis zum finalen (höchsten) Griff (Boulder) zu absolvieren und den höchsten Griff mindestens drei Sekunden lang festzuhalten bzw. mit beiden Händen zu berühren. Starten sollte man meist in einer sitzenden Position, wobei Hände und Füße natürlich an der Wand sind.

<a href="http://www.am-fels.de/flashen/">Flashen </a>– unbekannte Routen direkt zu meistern und den obersten Boulder zu erreichen – ist für Anfänger eine geeigneter Begehungsstil. Ein Boulderpartner steht bei schwierigen Routen zur Absicherung hinter dir. Die Route im Bild ist im Überhang und hat nur kleine Griffe und Tritte: sie ist keine Anfängerroute (Foto: ©fotolia.de /ARochau)
Flashen – unbekannte Routen direkt zu meistern und den obersten Boulder zu erreichen – ist für Anfänger eine geeigneter Begehungsstil. Ein Boulderpartner steht bei schwierigen Routen zur Absicherung hinter dir. Die Route im Bild ist im Überhang und hat nur kleine Griffe und Tritte: sie ist keine Anfängerroute (Foto: ©fotolia.de /ARochau)

 

Die jeweilige sportliche Herausforderung, das sogenannte Boulderproblem, ist bei Anfängerrouten immer gut sichtbar und versteckt sich nicht hinter einer Ecke. Wenn du oben angekommen bist, klettere entweder zurück oder spring ab (das kannst du ja anfangs von halber Höhe üben).

Tipp 2: Die richtigen Routen für Anfänger

Boulderrouten haben unterschiedliche Farben für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Meist geschraubt nach der sogenannten Fontainebleau-Skala: starte am besten im Schwierigkeitsbereich bis zu 3 oder 4.  Beachte die Aushänge in der jeweiligen Halle und fange einfach mit den ein oder zwei einfachsten Farben an. Prinzipiell solltest du als Anfänger Strecken wählen, bei denen du den Großteil aller Griffe mit dem sogenannten „Obergriff“ greifen kannst.

Info: Obergriff Am einfachsten ist der Griff, den du mit der kompletten Hand bzw. mit drei oder vier Gliedern deiner Finger greifst (im Bild rechts) und an dem du theoretisch auch einen Klimmzug machen kannst. (Foto: ©fotolia.de /Industrieblick)
Info: Obergriff
Am einfachsten ist der Griff, den du mit der kompletten Hand bzw. mit drei oder vier Gliedern deiner Finger greifst (im Bild rechts) und an dem du theoretisch auch einen Klimmzug machen kannst. (Foto: ©fotolia.de /Industrieblick)

Tipp 3: Mit langen Armen aus den Beinen bouldern

Sag dir von Anfang an: Die Kraft kommt beim Bouldern in erster Linie aus den Beinen!! Nein, wirklich nicht aus den Armen, auch wenn das intuitiv erscheint. Die meisten Anfänger machen den Fehler, sich komplett mithilfe der Arme hochzuziehen, also mit gebeugten Armen an der Wand bzw. den Griffen klammernd zu bouldern. Das raubt über einen längeren Zeitraum sehr viel Kraft. Anstatt dich also mit aller Macht nach oben zu ziehen, solltest du die Arme lieber in ausgestrecktem Zustand belassen und in Ruhe einen sicheren Stand für deine Füße suchen und dich aus den Beinen hochdrücken. Man nennt das am langen Arm bouldern und am Anfang ist es durchaus gewöhnungsbedürftig. Aber schau hin, wie die guten Boulderer sich die Wänder entlang und hoch bewegen: genau so! Probiers aus!

Die Arme lang zu machen statt angewinkelt zu halten, wann immer es möglich ist, spart sehr viel Kraft
Die Arme lang zu machen statt angewinkelt zu halten, wann immer es möglich ist, spart sehr viel Kraft. Im Bild: ein sogenannter Fingergriff.

Ausgestreckt bedeutet dabei übrigens nicht, dass man deine Ellbogen knacken hört. Die Ellbogen bleiben leicht angewinkelt. Das Bouldern benötigt einerseits Kraft, andererseits eine ganze Menge Taktik. Es geht um die Lockerheit und das Spiel mit der Wand, sich geschickt Wege zu suchen. Dabei darfst du mit den Füßen auch an die Wand treten (selbst wenn dort kein Bouldergriff ist) und auch Ecken und kanten der Boulderwand für dich nutzen. Die Bewegungen sind dabei immer möglichst fließend und Boulderer versuchen, sich geschmeidig an der Wand nach oben zu bewegen.

 Hier findest du noch mehr Greiftechniken mit Bilderanleitung

Tipp 4: Der richtige Fußeinsatz beim Bouldern

Deine Füße sollten – wenn möglich – im rechten Winkel zur Wand stehen und lediglich deine Fußspitzen stehen dabei auf dem Tritt. Auch wenn man am Anfang intuitiv den Fuß gerne quer aufstellen würde, weil man sich denkt: So habe ich ja eine viel größere Fläche. Deine Boulderschuhe haben aber speziell ein verstärkte Spitze, setz diese ein und lerne, deinem Schuh und seiner extra für Reibung gemachte Sohle zu vertrauen.

Info: Frontales Antreten Beim Platzieren des Kletterschuhs auf einem Tritt solltest du das Aufstellen über den Außen- oder Innenrist möglichst vermeiden. Auch wenn das je nach Beschaffenheit und Struktur des Tritts unvermeidbar ist. Eine optimale Kraftübertragung erreichst du, wenn dein Fuß im rechten Winkel zur Boulderwand steht – siehe Bild links. (Foto: ©fotolia.de /Remains).
Info: Frontales Antreten Beim Platzieren des Kletterschuhs auf einem Tritt solltest du das Aufstellen über den Außen- oder Innenrist möglichst vermeiden. Auch wenn das je nach Beschaffenheit und Struktur des Tritts unvermeidbar ist. Eine optimale Kraftübertragung erreichst du, wenn dein Fuß im rechten Winkel zur Boulderwand steht – siehe Bild links. (Foto: ©fotolia.de /Remains).

Expertenratschlag: Um Kraft zu sparen und den Druck der Fußspitze auf den Tritt zu erhöhen, kannst du zusätzlich noch deine Ferse anheben.

 Hier findest du noch mehr Tritttechniken mit Bilderanleitung

Tipp 5: Dreh dich ein -die richtige Körperhaltung

Als Einsteiger wirst du dich am Anfang in erster Linie mit deinen Händen und Füßen nach oben arbeiten und deine Hüfte mit gewissem Abstand parallel zur Wand positionieren. Diese natürliche Kletterhaltung ist auf Dauer jedoch sehr kräfteraubend, denn dadurch hat die Schwerkraft ziemlich leichtes Spiel. Vertraue deinem Instinkt also nicht! Besser ist es, sich direkt von Anfang an anzugewöhnen, den Körperschwerpunkt so nah wie möglich an die Wand zu bringen. Das bedeutet, dass du dich eindrehen musst und zwar stets nach dem Motto: Po zur Wand.

Eindrehen und Po zur Wand: So geht’s Indem du deinen Körperschwerpunkt gekonnt an die Wand verlagerst, kannst du besser aus den Beinen steigen, sparst eine Menge Energie und erreichst die verschiedenen Bouldergriffe deutlich leichter. Die klare Devise lautet also: Hintern an die Wand. (Foto: ©fotolia.de /Remains)
Eindrehen und Po zur Wand: So geht’s
Indem du deinen Körperschwerpunkt gekonnt an die Wand verlagerst, kannst du besser aus den Beinen steigen, sparst eine Menge Energie und erreichst die verschiedenen Bouldergriffe deutlich leichter. Die klare Devise lautet also: Hintern an die Wand. (Foto: ©fotolia.de /Remains)

Achte darauf, wie fortgeschrittene Boulderer ihren Körper eindrehen und versuche, auf die gleiche Art zu bouldern. Noch besser: Lass‘ dir von fortgeschrittenen Boulderern erklären, wie du deinen Körper konkret positionieren solltest. Denn wie gesagt: Das Eindrehen ist nicht instinktiv; man muss es sich anlernen. Hier benötigt man durchaus etwas Übung. Lass’ dich deshalb nicht entmutigen, wenn es nicht gleich beim ersten Mal klappt. Jeder professionelle Boulderer ist mehr als nur einmal von der Wand gefallen.

Tipp 6: Lernen durch Abgucken

Such dir für dein erstes Bouldererlebnis doch einfach einen Partner mit etwas Bouldererfahrung, der dich in die Halle begleitet. Weil sich Bouldern durch den leichten Einstieg und die günstige Ausrüstung als DER Trendsport für Kinder bis zu gestandenen Kletterveteranen etabliert, wirst du wahrscheinlich keine Probleme haben, Boulderpartner zu finden. Aber selbst wenn nicht: In der Halle sind genug andere Boudlerer unterwegs. Und das ist prima für dich, denn: Am allerbesten lernt man durch Tipps und Hinweise erfahrener Boulderer. Und durchs Abgucken von deren eleganter, durchdachter und dynamischer Boulderweise. Versuche gezielt, eher Profis und weniger die anderen Anfänger zu beobachten, um daraus zu lernen. Was machen die Profis mit ihren Beinen und wie setzen sie die Füße? Wie erreichen sie den nächsten Griff? Und trau dich auch, um Hilfe zu fragen: „Kannst du mir mal den Start zeigen?“ oder „ich verstehe einfach nicht, wie man von diesem Tritt zum nächsten kommt. Hast du eine Idee?“

Fachsimpeln gehört einfach dazu zum Bouldern.
Nicht nur in der Halle, sondern auch am Felsen: Fachsimpeln mit Freunden gehört einfach dazu beim Bouldern.

 

Beim Bouldern helfen die Leute sich meistens gegenseitig sehr gern, es ist wirklich eine kommunikative Sportart! Versuche trotzdem, Routen zuerst alleine zu lösen und schaue danach, mit welchen Varianten andere Boulderer diese knacken: Dann hast du einen noch größeren Lerneffekt.

Und zum Schluss: Die Checklisten für Ausrüstung und Technik

Die Ausrüstung ist schnell gecheckt:

  • Bequeme Sportkleidung mit Bewegungsfreiheit im Hüftbereich. Möglichst nicht dein Laufoutfit nehmen: synthetischen Fasern wie Polyester scheuern an der rauen Wand schnell auf!)
  • Boulderschuhe (hier stellen wir Modelle von Anfängerschuhen vor) sollten eng anliegen, evtl. eine Nummer kleiner als Straßenschuhe wählenund etwas
  • Chalk für die Griffigkeit.

Und Schon kann es losgehen. Und damit du gleich am Anfang nicht allzu oft fällst, haben wir dir die Bouldertechniken kurz in der Box zusammengefasst. Mit diesen fünf einfachen Punkten im Kopf, bugsierst du dich aus jedem Boulderproblem schnell wieder heraus!

Checkliste Bouldertechnik

  • Habe ich eine geeignete Boulderwand ausgesucht?
  • Enthält die Route viele Obergriffe?
  • Bouldere ich am langen Arm?
  • Steht mein Fuß senkrecht zum Tritt?
  • Ist mein Schwerpunkt (=Hintern) an der Wand?

 

Immer noch nicht überzeugt? Vielleicht können wir mit diesen FAQs deine restlichen Vorbehalte gegenüber der Sportart ausräumen (wenn du eine weitere Frage hast, schick sie uns zu!):

„Erfülle ich die körperlichen Voraussetzungen fürs Bouldern? Ist das überhaupt was für mich?

Natürlich sind Männer wie Frauen mit drahtiger Statur prinzipiell prädestinierter für Klettersport, doch das bedeutet noch lange nicht, dass du einen Bogen um eine Boulderhalle zu machen brauchst, falls du diese körperliche Voraussetzung nicht erfüllst. Die Kletterwände mit den gänzlich unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden ermöglichen es auch dir als Boulder-Anfänger – egal, welche Statur und welches Level an sportlicher Vorerfahrung du mitbringst – direkt mit Erfolgserlebnissen zu starten. Und du kannst ganz beruhigt sein: Beim ersten Mal ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen. Jeder Profi ist mehr als nur einmal von der Wand gefallen (besser ist es aber, du springst bewusst ab, bevor dich die Kräfte verlassen). Daher lasse dich nicht von den Skills von fortgeschrittenen Kletterern an der Wand neben dir verunsichern. Du musst niemandem etwas beweisen und stehst mit niemandem in Konkurrenz – eben weil jeder andere Voraussetzungen zum Bouldern mitbringt. Es geht um Spaß an neuen Bewegungsabläufen, um Koordination und das Zusammenspiel von Körper und Kopf. Bouldern ist quasi das sportliche Schachspiel zwischen dir und der Wand.

„Ist Bouldern teuer?“

Der Eintritt kostet in den meisten Boulderhallen etwa 10,- Euro, gilt dann aber auch im Allgemeinen für einen ganzen Tag. Günstiger wirds in DAV-Hallen für Alpenvereinsmitglieder. Am Anfang rechne 3,- bis 4,- Euro für das Ausleihen von Boulderschuhen. Mit Kreide bewaffnet dein erstes Boulder-Abenteuer zu starten ist optional, aber durchaus empfehlenswert. Chalkbag inklusive Chalk kosten dich rund 20,- Euro. Die minimale Boulderausrüstung für Einsteiger (geliehene Schuhe) kostet dich inklusive Halleneintritt also knapp 35,- Euro. wenn du Chalk von jemandem leihen kannst oder am Anfang ein Liquid Chalk kaufst (Flasche rund 5 Euro) wird’s natürlich günstiger. Guter Tipp: fast alle Hallen bieten Schnupperrunden an. Dabei bezahltst du meist EIntritt und Schhe und ein Trainer führt dann alle Neulinge durch die Halle, um erstmal alles zu erklären und die erste Angst zu nehmen.

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