Fabian Buhl im Interview

Dass Geologen Felsen und Berge irgendwie gern haben, ist klar. Aber nicht jeder kommt dabei soweit wie der Oberstaufer Fabian Buhl: Der Profiboulderer (1990er Jahrgang) spricht im Interview mit am-fels über das beste Training, großartige Boulder in der freien Natur und wie man sich auch an harten Tagen motiviert.

am-fels.de: „Fabian, wie bist du zum Bouldern gekommen und wann warst du das erste Mal ohne Seil an der Wand unterwegs“
Fabian: „Nachdem ich 2006 mit dem Klettern angefangen habe, bin ich natürlich in der Halle recht schnell zum Bouldern gekommen. Aber so richtig gepackt hat es mich erst dann 2007 über Weihnachten als ich im Tessin am Fels bouldern war. In den nächsten Jahren bin ich während der Saison fast an jedem Wochenende in die verschlafenen Täler gepilgert.“

am-fels.de: „Und was unterscheidet Bouldern in deinen Augen vom Sportklettern?“
Fabian: „Die Züge (beim Bouldern, Anm.d. Red.) sind meist deutlich schwerer und alles muss perfekt passen, beim Sportklettern kann ich durch Kraft auch schlechtere Bewegungen ausgleichen.“

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Spitzenkletterer: Der Allgäuer Fabian Buhl (Foto: ©Stefan Schlumpf)

am-fels.de: „Was macht Bouldern für dich so besonders?“
Fabian: „Der besondere Reiz im Bouldern, liegt für mich einfach in der komplexen Bewegungssequenz, es macht mir wirklich viel Spaß, sämtliche Details zu verbessern. Denn nur wenn am Schluss Alles passt, kann ich mein Projekt klettern. Dies ist auch unabhängig vom Schwierigkeitsgrad, manchmal liegt mir einfach ein Problem nicht, dann muss ich viel investieren, obwohl es anderen nicht so schwer gefallen ist … “

am-fels.de: „Wie hältst du dich persönlich fit und was sind deine Tipps, worauf man beim Training am besten achten sollte.“
Fabian: „Da ich momentan versuche, innerhalb eines Jahres alle Arten des Kletterns auf hohem Niveau zu betreiben, muss ich natürlich relativ konsequent in der Vorbereitung sein. Aber Fingerboard-Training gehört fast immer dazu, denn nur wenn die Finger halten, kann ich auch die Körperkraft an die Wand bringen. Generell versuche ich aber sehr vielseitig zu trainieren und achte auch darauf, die Antagonisten nicht zu vergessen. Denn nur wenn alles in der Balance ist, wird man lang Spaß am Klettern haben und verletzungsfrei bleiben.“

am-fels.de: „Wo findet man dich am ehesten beim Bouldern – in der Halle oder draußen am Fels? Und wenn, welche Spots kannst du empfehlen?“
Fabian: „Mich wird man eigentlich nur am Fels antreffen und oft bin ich sogar da nicht zu finden, da ich an irgendeinem Projekt in Ruhe arbeite, meistens ein wenig ab vom Schuss 😉 Es gibt einige Gebiete (Tessin, Rocklands), die ich jedem empfehlen kann, ich selbst kehre dorthin immer wieder zurück. Denn hier fühl ich mich einfach wohl und kann die schönen Boulder und Landschaft genießen.“

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Fabian Buhl im Boulder Ragtime fb 8b+ in der Schweiz 2014 (Erstbegeher Fred Nicole): Seine Begehung war die zweite Wiederholung (Foto: ©Stefan Schlumpf)

am-fels.de: „Was war dein bisher größtes „Boulderproblem“ und in welchem Schwierigkeitsgrad bist du für gewöhnlich unterwegs?“
Fabian: „Mein bisher schwerster Boulder war Dreamtime fb 8c in Cresciano in der Schweiz. Momentan arbeite ich an Projekten die hoffentlich mindestens genauso schwer werden, aber da muss ich noch auf die guten Bedingungen im Herbst (2015, Anm. d. Red.) warten.“

am-fels.de: „Hast du konkrete Ziele/Projekte für die nahe und fernere Zukunft?“
Fabian: „Ich bin jemand der nicht sehr gerne über seine Projekte spricht, dies erhöht nur den Druck. Aber ich möchte mich als Allrounder etablieren und in diesem Bereich auch neue Sachen machen. Konkret bedeutet das, dass ich etwa alle 3 Monate die Disziplin wechsle und somit jedes Jahr 1-2 schwere Mehrseillängen, Trad-Routen, Sportklettertouren und natürlich Boulder wiederhole oder erstbegehe.“

am-fels.de: „Beim Bouldern gibt es auch oft Niederlagen oder schlechte Tage. Wie schaffst du es, die Motivation oben zu halten?“
Fabian: „Das ist ganz einfach und zwar muss man sich einfach mit kleinen Fortschritten am Projekt zufrieden geben. Wenn nur der Durchstieg zählt, dann ist Klettern der falsche Sport. Wenn ich an einem schweren Projekt arbeite, dann freue ich mich über jedes kleine Detail, das ich im Bewegungsablauf verbessern kann. Denn nur so kann ich schlussendlich auch Boulder an meinem Limit lösen. Die Tage mit erfolgreichen Durchstiegen machen vermutlich nur 1% aus. Das heißt aber nicht, dass ich die anderen 99% der Tage frustriert nach Hause gehe!“

am-fels.de: „Danke, Fabian und weiterhin viel Erfolg!“

Fabian in Action: In Cresciano in der Schweiz am Boulderproblem „The Dagger“


Mehr zu Fabians Karriere und ein weiteres cooles Video über seine Boulder- und Klettererfahrungen findest du hier!

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