Interview mit Katha Saurwein

Die Österreicherin Katharina Saurwein gehört zu den besten Klettersportlerinnen der Welt. 2015 lief für sie besonders gut: Dritter Platz bei der Europameisterschaft in Innsbruck, sie hat geheiratet (herzlichen Glückwunsch, liebe Katha und lieber Jorg Verhoeven!), ist einmal um die Welt gereist und in traumhaften Ländern geklettert. Zuvor hatte sie bereits die Junior World Championships in Imst (Österreich) gewonnen. Die Innsbruckerin verrät uns, wohin ihre Reiselust sie beim Bouldern schon gebracht hat, welche Ziele sie ganz privat anstrebt und wie sie mit Durchhängern umgeht und immer weiter kämpft. Interview von August 2015.

Ein Portrait von Katha Saurwein bevor es zum Bouldern geht. (Foto bereitgestellt von: © Marmot_Reinhard Fichtinger)
Katha Saurwein bereit zum Bouldern
(Foto bereitgestellt von Marmot: ©Reinhard Fichtinger)

am-fels.de: „Wie bist du zum Bouldern gekommen und wann warst du das erste Mal ohne Seil an der Wand unterwegs?“                                 

Katha Saurwein: „Ich bin mit 8 Jahren, also 1995 zum ersten Mal geklettert und kurz darauf zum ersten Mal gebouldert. Das war bei einem Sommerfest der Sportuniversität in Innsbruck. Man durfte damals die verschiedensten Sportarten ausprobieren und als ich die Kletterwand sah, wollte ich unbedingt hinauf. Seitdem hat mich das Klettern in seinen Bann gezogen. Aufs Bouldern spezialisiert habe ich mich erst sehr spät, nach dem ich Jahre lang Vorstieg trainiert habe und ich nach Abwechslung gesucht habe.“

am-fels.de: „Was unterscheidet Bouldern in deinen Augen vom Sportklettern und was macht es für dich so besonders?“                                  

Katha Saurwein: „Bouldern ist offensichtlich viel kürzer, wesentlich maximalkräftiger und in meinen Augen auch vielfältiger. Was es für mich so besonders macht sind die unterschiedlichen Felsen, die Vielfältigkeit der Bewegungen und das man es gemeinsam mit Freunden in der Natur ausüben kann.“

Trotz kälte Klettert Katha Saurwein Den Felsen hoch. (Fotot bereitgestellt von: © Marmot_Jon Glassberg)
Trotz Kälte: Die Österreicherin Katharina Saurwein kann das nicht vom Bouldern abhalten (Foto bereitgestellt von Marmot: © Jon Glassberg)

am-fels.de: „Wie hältst du dich persönlich fit und was sind deine Tipps, worauf man beim Training am besten achten sollte.“                        

Katha Saurwein: „Ich halte mich durch fleißiges Trainieren und Klettern gehen fit. Beim Training ist meiner Meinung nach am wichtigsten, dass man nicht nur an seinen Stärken, sondern auch an seinen Schwächen arbeitet, dass es einem Spaß macht und dass man auf seinen Körper hört.“

am-fels.de: „Wo findet man dich am ehesten beim Bouldern – in der Halle oder draußen am Fels? Und wenn, welche Spots kannst du empfehlen?“

Katha Saurwein: „Das kommt total auf die Jahreszeit und das Wetter drauf an. Ab Dezember bis Juni bin ich hauptsächlich in der Halle anzutreffen – genauer gesagt im Tivoli in Innsbruck. Da befinde ich mich gerade in der Vorbereitungsphase für die Wettkämpfe beziehungsweise in der Wettkampfphase und um mit der internationalen Elite mithalten zu können, ist ein Training in der Halle sehr wichtig. Gleichzeitig werde ich aber auch für die Felssaison danach fit, die bei mir von Juli bis November geht. In diesen Monaten versuche ich so oft wie möglich am Felsen zu sein, neue Bouldergebiete zu bereisen und die Zeit im Freien zu genießen. Einige meiner Lieblingsdestinationen sind die Rocklands in Südafrika, Chaos Canyon in den USA und Chironico in der Schweiz.“

am-fels.de: „Was war dein bisher größtes „Boulderproblem“ und in welchem Schwierigkeitsgrad bist du für gewöhnlich unterwegs?“         

Katha Saurwein: „Einer der besten Boulder, die ich bis jetzt geklettert bin ist sicherlich ‚Black Shadow‘ 8a+, einer der höchsten und am beeindruckenden ist ‚This Side of Paradise‘ 7c+ und der schwerste ‚Nuthin‘ but sunshine‘ 8b. Jedoch gibt es so viele unglaubliche Boulder, das  es wirklich schwer zu sagen ist, in welchen Graden ich unterwegs bin. Normalerweise gehe ich durch ein Gebiet und klettere die Boulder, die am besten ausschauen und das kann dann zwischen 5 und 8b so gut wie alles sein.“

Beim Klettern mit Überhang hat Katha Saurwein keine Probleme. (Fotot bereitgestellt von: ©Marmot_Jon Glassberg)
Beim Klettern mit Überhang hat Katha Saurwein keine Probleme. (Foto bereitgestellt von Marmot: Jon Glassberg)

am-fels.de: „Hast du konkrete Ziele/Projekte für die nahe und fernere Zukunft?“  (Frage von Mitte 2015)

Katha Saurwein: „Ein Projekt in sehr naher Zukunft ist die Weltreise, welche bereits begonnen hat. Ich war gerade für 6 Wochen in den Rocklands und bin im Moment am Weg in den Rocky Mountain National Park, in welchem der Chaos Canyon liegt und wo ich für ein Monat bleiben werde, bevor es für 2 Monate nach Australien in die Grampians und Blue Mountains geht. Nächstes Jahr werde ich wieder bei den Boulderwettkämpfen teilnehmen und im Sommer anschließend wieder in die Rocklands fliegen. Was danach passiert, ist noch völlig offen…“

am-fels.de: „Beim Bouldern gibt es auch oft Niederlagen oder schlechte Tage. Wie schaffst du es, die Motivation oben zu halten?“                

Katha Saurwein: „Das stimmt, wie überall gibt es auch beim Bouldern, sei es im Training, am Felsen oder im Wettkampf, Tage an welchen man sich fragt, warum man sich das alles eigentlich antut. Warum man so hart trainiert, so viele Stunden unter demselben Felsblock trainiert oder man immer wieder an Bewerben teilnimmt. Aber noch viel öfter freut man sich, wenn man wieder Fortschritte macht, wenn man bei einem Bewerb einen ‚run‘ hat oder nach langem Probieren sein Projekt klettern kann. Und durch dieses Wissen, nimmt man die schlechten Tage hin, hackt sie ab und wartet auf den nächsten guten Tag.“

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