Jorg Verhoeven im Interview

Der Niederländer Jorg Verhoeven (1985 in Amsterdam geboren) ist ein professioneller Wettkampfkletterer und Sportkletterer in Mehrseillängenrouten. Seit 2005 lebt er in den österreichischen Alpen, 2015 hat er die Tiroler Kletterin Katha Saurwein geheiratet (herzlichen Glückwunsch, Katha und Jorg!). 2008 ist er Weltcupsieger im Schwierigkeitsklettern geworden. Zudem ist er zweimaliger World Youth Champion. Keine Route scheint ihm zu schwer. Uns hat Jorg Einblicke gewährt, wie wichtig fürs Bouldertraining auch das Rasten ist, warum bouldern in der Gruppe so viel Spaß macht und welche topp Bouldergebiete auf der ganzen Welt er als Naturfreund besonders liebt.

Beim Bouldern im Zillertal genießt Jorg Verhoeven das schöne Wetter. (Bild bereitgestellt von: © Marmot / Reinhard Fichtinger)
Beim Bouldern im Zillertal genießt Jorg Verhoeven das schöne Wetter. (Bild bereitgestellt von: © Marmot / Reinhard Fichtinger)

am-fels.de: „Wie bist du zum Bouldern gekommen und wann warst du das erste Mal ohne Seil an der Wand unterwegs?“    

Jorg Verhoeven: „Für mich war bouldern immer schon ein substanzieller Teil meines Kletterns. Obwohl ich als Routenkletterer angefangen habe und auch die erste 10 Jahr im Wettkampf mit Seil unterwegs war, bin ich sicher die Hälfte der Zeit am Block oder an der Boulderwand gewesen. Vor allem als Jugendlicher, da sich zu dieser Zeit Fontainebleau unter den am nähest gelegenen Felsen befand, bin ich dort viel unterwegs gewesen: Eine gute Schule für Plattenkletterei…“

am-fels.de: „Was unterscheidet Bouldern in deinen Augen vom Sportklettern und was macht es für dich so besonders?“                                      

Jorg Verhoeven: „Das freie Gefühl daran. Man kann ohne viel Aufwand, also nur mit Schuhen und Chalk (und am Fels natürlich eine Bouldermatte) sich ans Limit bewegen, oder einfach nur gemütlich Bouldern, je nach Lust und Laune. Bouldern an der Grenze seines Könnens ist wie die Perfektion von Bewegungen; man könnte es als die reinste Art der Klettersport betrachten, obwohl die Alpinisten da schimpfen werden.“

am-fels.de: „Wie hältst du dich persönlich fit und was sind deine Tipps, worauf man beim Training am besten achten sollte.“                            

Jorg Verhoeven: „Am wichtigsten ist es meiner Meinung nach, gut auf seinem Körper zu horchen: Wann man Pause braucht, nimmt man einen Rasttag, wenn was weh tut, sollte man es sein lassen. Ich versuche immer genug zu rasten, bevor ich das nächste Training anfange. Als Leistungssportler gibt es da natürlich schon Ausnahmen, aber es ist ein guter Leitsatz. Besonders wichtig ist auch der Spaßfaktor. In einer motivierten Gruppe zu trainieren oder zu bouldern hält die Motivation hoch und man kann von anderen lernen.“

am-fels.de: „Wo findet man dich am ehesten beim Bouldern – in der Halle oder draußen am Fels? Und wenn, welche Spots kannst du empfehlen?“

Jorg Verhoeven: „Sowohl als auch, täte ich sagen, da die Antwort ziemlich von der Jahreszeit und Trainingsphase abhängig ist. Im Winter und Frühjahr bewege ich mich schon die meiste Zeit an der Boulderwand, dagegen bin ich jetzt gerade fünf Monate am Fels unterwegs. Das Schöne am Bouldern ist, dass die Variation an super Gebieten so groß ist, dass man ein Leben lang herumreisen könnte, ohne fertig zu werden. Persönlich taugen mir Plätze wie Tessin (CH), Fontainebleau (FRA) verschiedene Gebiete in der USA und die Rocklands (ZA) sehr gut.“

Auch ein Überhang scheint für Jorg Verhoeven kein Hindeniss zu sein. (Foto bereitgestellt von: ©Marmot_Reinhard Fichtinger (2) )
Überhänge sind für Jorg Verhoeven kein Hindenis. (Foto bereitgestellt von Marmot: ©Reinhard Fichtinger)

am-fels.de: „Was war dein bisher größtes „Boulderproblem“ und in welchem Schwierigkeitsgrad bist du für gewöhnlich unterwegs?“             

Jorg Verhoeven: „Mich sehr lange für ganz bestimmten schweren Bouldern zu konzentrieren war immer schon meine Schwäche, mir taugt es immer besser viele schöne Boulder zu klettern. Vor gewöhnlich kommt Qualität vor Bewertung, dabei ist natürlich interessant sich an seiner Grenzen zu bewegen, welche bei mir so zwischen 8B und 8C liegen. Ein 8C zu bouldern ist mir dabei noch nie gelungen, steht aber auf der To-Do-Liste ;)“

am-fels.de: „Hast du konkrete Ziele/Projekte für die nahe und fernere Zukunft?“

Jorg Verhoeven: „Da habe ich ja oben schon was verraten… Ich glaube das jeder fanatischer Boulderer so seine ‘Bucket Liste’ hat. Einige Kandidaten wären da für mich: ‚Meadowlark Lemon‘ 8C, ‚Wheel of Life‘ 8C, ‚The Swarm‘ 8B, ‚Duel‘ 8A, fin, die Liste ist länger wie man meint…“

am-fels.de: „Beim Bouldern gibt es auch oft Niederlagen oder schlechte Tage. Wie schaffst du es, die Motivation oben zu halten?“                   

Jorg Verhoeven: „Das ist ja eigentlich wie sonst so im Leben, man versucht sich auf das schöne und positive zu konzentrieren und schlussendlich wird das dann auch wieder ans Tageslicht kommen, sonst kann man immer noch Sportart wechseln: Golf, Curling, Wrestling, fade wird einem nie, oder?“

Portrait von Jorg Verhoeven, der ganz entspannt in die Kamera lächelt. (Bild bereitgestellt von: © Marmot / Reinhard Fichtinger)
Jorg Verhoeven,immer ganz entspannt. (Bild bereitgestellt von: © Marmot / Reinhard Fichtinger)
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