Mélissa Le Nevé im Interview

Mélissa Le Nevé (8. Juli 1989) ist gebürtig aus Cestas in Gironde und lebt bzw. trainiert sowohl in Aix-en-Provence als auch in Fontainbleau und Bordeaux. Die auch unter ihrem Spitznamen „Memel“ bekannte Klettersportlerin entdeckte ihre Leidenschaft fürs Klettern und Bouldern eher rein zufällig, als sie im Alter von 15 Jahren auf der Suche nach einer Sportart war, bei der sich Körper und Geist gleichermaßen miteinander verbinden lassen.

MelissaLeNeve klettert
Mélissa Le Nevé beim Felsklettern (Foto bereitgestellt von adidas: © adidas Outdoor)

Dabei stand für das französische Ausnahmetalent von Anfang an der Wettkampf-Gedanke im Vordergrund. Bereits als 25jährige erreicht sie absolutes Topniveau im Sportklettersegment und meistert Routen im Schwierigkeitsgrad 8c/8c+.Noch erfolgreicher ist sie aber beim Bouldern, wofür der zweimalige Gewinn der französischen Meisterschaft (2010/2013) sowie Platz 4 in der Weltcup-Gesamtwertung (2011) sowie Platz 5 bei den Weltmeisterschaften in München (2014) sprechen. Am liebsten ist Mélissa im Frankenjura (Deutschland), in Fontainebleau (Frankreich), Bishop (USA) oder den Rocklands (Südafrika) unterwegs, wo sie unter anderem schwierigste Boulderprobleme wie „Les Big five dont Atrésie (8a) oder „The Amphitheatre“ (8a+) meistern konnte. Im Interview erzählt uns die sympathische Klettersportlerin allerdings, das die schwersten Routen, nicht immer auch die größte Herausforderung darstellen.

am-fels.de: „Wie bist du zum Bouldern gekommen und wann warst du das erste Mal ohne Seil an der Wand unterwegs?“

Melissa: „Zum Bouldern und Sportklettern bin ich gleichzeitig gekommen, in einer Kletterhalle in der Nähe von Bordeaux. Aber an einem bestimmten Punkt habe ich mich dann für das Bouldern entschieden, weil mir das Wettkampf-Format einfach viel mehr Spaß gemacht hat. Aber auch sonst musste ich mich nie zwingend entscheiden, weil ich sowohl draußen als auch drinnen klettere.“

am-fels.de: „Was unterscheidet Bouldern in deinen Augen vom Sportklettern und was macht es für dich so besonders?“

Melissa: „Ich denke, dass man beim Bouldern die Intensität eines einzigen Zugs enorm steigern kann. Vor allem gefällt mir dabei der Prozess, um ein Boulderproblem zu lösen, das beim ersten Versuch noch ein absolutes Mysterium darstellt.“

am-fels.de: „Wie hältst du dich persönlich fit und was sind deine Tipps, worauf man beim Training am besten achten sollte?“

Melissa: „Das hängt letztendlich von der Jahreszeit ab und wo ich mich gerade befinde. Draußen versuche ich ich in der Regel eine gute und gesunde Balance zu finden, mache Yoga am Morgen und einige Core-Training Übungen oder gehe eine kleine Runde laufen. Ansonsten klettere ich viel tagsüber und manchmal mache ich im Anschluss daran noch ein paar „No Foot – Games“. Und zwischen den einzelnen Wettbewerben absolviere ich ein sehr spezielles Trainingsprogramm mit einigen Übungen, die ich bereits kenne. Dadurch brauche ich deutlich weniger Energie und ich kann Selbstvertrauen tanken.“

Mélissa Le Nevé beim Bouldern (Foto bereitgestellt von adidas: © adidas Outdoor)
Mélissa Le Nevé beim Bouldern (Foto bereitgestellt von adidas: © adidas Outdoor)

am-fels.de: „Wo findet man dich am ehesten beim Bouldern – in der Halle oder draußen am Fels? Und wenn, welche Spots kannst du empfehlen?“

Melissa: „Am liebsten klettere ich draußen am Fels. Aber in der Halle kann man besser trainieren und die eigene Technik verbessern. Meine Lieblingsspots sind Fontainebleau, die Rocklands, Bishop und das Tessin.“

am-fels.de: „Was war dein bisher größtes „Boulderproblem“ und in welchem Schwierigkeitsgrad bist du für gewöhnlich unterwegs?“

Melissa: „Atresis (8a) – ein sehr anspruchsvolles, klassisches Problem in Fontainebleau. Das war die wohl schwierigste Herausforderung, die ich bisher meistern konnte. Auch wenn ich mehr als zehn weitere Boulderprobleme im Schwierigkeitsgrad 8a+ geknackt habe. Aber manchmal sind es eben nicht die Routen mit dem höchsten Schwierigkeitslevel, die am meisten Zeit erfordern. In Zukunft will ich aber noch härtere Probleme angehen.“

am-fels.de: „Hast du konkrete Ziele/Projekte für die nahe und fernere Zukunft?“

Melissa: „Ich habe ein paar klassische Linien im Kopf und dafür möchte ich einen Großteil meiner Zeit und Energie aufwenden. Daher habe ich beschlossen, das Wettkampf-Bouldern nach der nächsten Weltmeisterschaft vorerst zu beenden, um mich an einigen wirklich großen Herausforderungen zu versuchen. (grinst).“

 

Mit Crashpad gut gerüstet zum Bouldern: Melissa Le Neve (Foto bereitgestellt von adidas: © adidas Outdoor)
Mit Crashpad gut gerüstet zum Bouldern: Melissa Le Neve (Foto bereitgestellt von adidas: © adidas Outdoor)

am-fels.de: „Eine letzte Frage: Für jeden Boulderprofi gibt es Niederlagen oder schlechte Tage. Wie schaffst du es, dann die Motivation oben zu halten?“

Melissa: „Eigentlich sind es jene Tage, an denen eine Menge Fragen auftauchen, die dir viel über dich selbst beibringen. In diesen Momenten lerne ich am meisten und es ist tatsächlich auch jene Zeit, die meine eigene Motivation fördern. Dann sage ich zu mir selbst, dass ich selbst größte Herausforderungen angehen kann und einen Weg finde, diese zu meistern. Gerade dann, wenn du an etwas arbeitest, an dem sich noch nie ein weiblicher Klettersportler versucht hat. Gerade in solche Boulderprobleme stecke ich besonders gern Energie hinein und schaue wie und ob ich ich meine eigenen Grenzen überwinden kann.“

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